ZIELE
BERATUNGSFELDER
PERSPERKTIVEN

Einleitung

Beratung ist ein Teil des Schulprofils der Jahn-Realschule. Sie unterstützt die im Schulprogramm festgelegten Ziele. Das Profil der Jahn-Realschule Lübbecke beschreibt unsere Schule als „ganztägig, vielseitig und lebensnah, die ihre Schülerinnen und Schüler persönlich und individuell berät“. Der für die Beratung relevante Begriff der Lebensnähe wurde umschrieben als „Lernen in Lübbecke / Selbstständig handeln und entscheiden / Vorbereitung auf die Berufswelt / Verantwortung für die Gemeinschaft“.

Unsere Ganztagsschule versteht sich als Lernschule und erziehende Schule, an der die Förderung und Beratung der Schülerinnen und Schüler einen besonderen Stellenwert einnimmt. Ein 17%-iger Anteil von Aussiedlerkindern mit häufigen Integrationsschwierigkeiten legt dieses Konzept nahe.

Beratung ist ein wichtiger Bestandteil des Auftrages jeder Schule. Daran sind alle Personengruppen beteiligt, die Schule gestalten, wie Klassen- und Fachlehrerinnen und -lehrer, SV-Lehrerinnen und -lehrer, Schülerinnen, Schüler, Eltern, Schulleitung und Schulaufsicht. („Alle Lehrerinnen und Lehrer einer Schule beraten ihre Schülerinnen und Schüler und deren Eltern in Schullaufbahn- und Berufswahlfragen sowie bei Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten.“ Erläuterungen zum Beratungserlass von 1997) Um den Zielen unseres Leitbildes gerecht zu werden, gibt es an der Jahn-Realschule darüber hinaus ein Beratungsteam aus mehreren Beratungslehrerinnen und -lehrern und einem Schulsozialarbeiter, das die allgemeine Beratungstätigkeit aller Lehrerinnen und Lehrer intensiviert und ergänzt.

Das folgende Beratungskonzept formuliert nach einem gemeinsamen Abstimmungsprozess innerhalb des Teams die Ziele, Grundsätze, Organisation und inhaltliche Schwerpunktsetzung der Beratungstätigkeit.

 

Ziele

In einer Welt, die zunehmend geprägt ist von Wertevielfalt, neuen Formen des Zusammenlebens und Globalisierung von Arbeit, muss jeder Jugendliche heute seine Biographie selbstständig entwerfen. Dem Bereich Schule kommt dabei eine wichtige Rolle in der Persönlichkeitsbildung, Identitätsfindung und Alltagsintegration zu. Neben der Vermittlung von Lern- und Methodenkompetenz hat unsere Schule das Ziel die Sozialkompetenz bei allen Beteiligten zu fördern. Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit und Konfliktfähigkeit sind unentbehrliche Ziele der Erziehungsarbeit.

Die im Profil formulierte „persönliche und individuelle Beratung“ heißt für uns, dass wir – über die sechsjährige Verweildauer unserer Schülerschaft an unserer Schule hinausblickend – den Begriff „Beratung“ um den der begleitenden Unterstützung der „Lebensplanung“ erweitern und damit den Zukunftsaspekt in unser Beratungsverständnis hinein nehmen.

Als Folge dieses Verständnisses von Beratung haben wir an unserer Schule zwei zentrale Beratungsschwerpunkte:

1. Einzelfallhilfe in Konfliktsituationen

2. Berufswahlorientierung

Die Ziele unserer Beratungsarbeit erfordern die Zusammenarbeit von Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft und intensive Kontakte zu außerschulischen Kooperationspartnern und damit den Aufbau eines stabilen Netzwerkes.

Beratungsfelder

1) Einzelfallhilfe

Die Einzelfallhilfe für Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Mitglieder des Kollegiums ist einer der Schwerpunkte der Beratungsarbeit an der Jahn-Realschule, der intensiv genutzt wird. Für die Gespräche, die nach vorheriger Anmeldung zu besonderen Sprechzeiten erfolgen, stehen zwei Beratungszimmer zur Verfügung.

Wichtige Grundsätze für die Einzelberatung sind die Freiwilligkeit der Inanspruchnahme, die Vertraulichkeit, die Ressourcen- (statt Defizit-) Orientierung und die Neutralität der Beratungsperson. Es geht nicht darum, Ratschläge zu erteilen, sondern die Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen in ihrem eigenen Konfliktlösungspotential zu stärken.

Die Beratungslehrer haben eine besondere Ausbildung durchlaufen, sind jedoch keine Therapeuten. Zu ihren Aufgaben gehört es daher, bei besonderen Schwierigkeiten an weitere Beratungsstellen oder anderer Organisationen zu vermitteln. Dazu ist eine gute Kenntnis aller beratungsrelevanten außerschulischen Institutionen notwendig.

Die Einzelfallhilfe, die oftmals einer Serie von mehreren Gesprächen bedarf, wird am stärksten von Schülerinnen und Schülern genutzt. Seit Beginn der Beratungsarbeit hat sich gezeigt, dass der größte Teil der angesprochenen Themen weniger schulische Probleme als persönliche Probleme im Elternhaus und in der Gruppe betrifft. Die Einzelberatung strebt daher an, im Sinne eines systemischen Ansatzes zu arbeiten, indem möglichst alle beteiligten Personen in die Gespräche einbezogen werden.

Neben den angemeldeten und vorbereiteten Beratungsgesprächen haben die Beratungslehrer auch die Aufgabe, für Kriseninterventionen zur Verfügung zu stehen. Dies bedeutet, dass sie in dramatischen Situationen, die schnelle Reaktionen erfordern, beratend und unterstützend eingreifen.

2) Elternarbeit

Das Beratungsteam sieht es als seine Aufgabe an, die Zusammenarbeit der Schule mit den Eltern zu fördern und sie mehr in das Schulleben einzubeziehen.

Dazu gehört die Beratung in Form der Einzelfallhilfe, bei der möglichst auch die Eltern mit einbezogen werden sollen, sofern sie zu der Lösung des Problem ihres Kindes beitragen können.

Ein weiteres Aufgabenfeld ist das so genannte Schulforum, mit dem das Beratungsteam sich das Ziel gesetzt hat, Eltern über aktuelle Themen zu informieren und Gespräche zwischen Eltern, Referenten und Lehrerschaft in Gang zu setzen.

3) Kollegiale Beratung

Von Anfang 2003 bis Anfang 2005 wurde an der Jahn-Realschule eine kollegiale Beratung durchgeführt, die aus einer festen Gruppe von etwa acht bis zehn Kollegen bestand.

Neben der Arbeit an eingebrachten Konflikten versuchte die Gruppe mit vielen kreativen Methoden neue zugewandte Formen der Sprache und des Umgangs miteinander zu pflegen und damit einen Beitrag zur Verbesserung des Schulklimas zu leisten.

Diese Gruppe trennte sich zu Beginn des Jahres 2005 da es durch die gestiegene zeitliche Belastung immer schwieriger wurde, Termine für diese Treffen zu finden.

Trotz oder auch gerade wegen dieser Zeitprobleme besteht jedoch nach wie vor ein Beratungsbedarf, so dass das Beratungsteam ab Januar 2008 freitags von 13 bis 14 Uhr eine kollegiale Beratung anbietet, die für alle Kollegen offen ist und durch das Beratungsteam durchgeführt wird.

Inhalte der Beratung sind Probleme des Schulalltags, wie z.B. Konflikte mit Schülern oder Schülergruppen, mit Kollegen oder der Schulleitung sein. Die Beratung kann auch vor Gesprächen oder anstehenden Situationen, auf die man sich vorbereiten möchte, in Anspruch genommen werden.

In der kollegialen Beratung besteht die Möglichkeit, sich über Probleme des Schulalltags auszutauschen und dabei die Beratungskompetenz, die Erfahrungen und das Einfühlungsvermögen der Anwesenden zu nutzen.

Die kollegiale Beratung soll dazu dienen, uns gegenseitig zu stärken und zu unterstützen.

Die kollegiale Beratung wird jeweils von einem Mitglied des Beratungsteams geleitet.

Nach der Vorstellung des Problems durch den Ratsuchenden wird in mehreren Runden das Problem von den Teilnehmern von verschiedenen Seiten her beleuchtet und es werden Feedbacks gegeben.

Dem Ratsuchenden werden neue Perspektiven eröffnet, die ihn dabei stärken, die für ihn richtige Lösung des Problems zu finden.

Besteht ein Beratungswunsch, so erfolgt eine Anmeldung beim Schulsozialarbeiter (spätester Anmeldetermin ist freitags 1. große Pause). Es wird pro Sitzung maximal ein Fall bearbeitet.

Das Stattfinden der kollegialen Beratung wird dem Kollegium durch einen Aushang im Lehrerzimmer (Tür) bekannt gegeben, um interessierten Kollegen die Möglichkeit zu geben, sich an der Beratung zu beteiligen.

Bei dringenden Fällen bietet das Beratungsteam an, zeitnah eine kollegiale Beratung durchzuführen.

 

4) Notfallkonzept

Seit 2006 gibt es an der Jahn-Realschule ein sogenanntes Notfallteam, das aus zwei Mitgliedern des Beratungsteams und einer Religionslehrerin besteht.

Durch dieses Team wurde ein Leitfaden entwickelt, der das Resultat einer ausführlichen Recherche und intensiven Auseinandersetzung der Mitglieder des Notfallteams mit der Thematik ist.

Der Leitfaden soll Hilfestellungen bei einem der folgenden Notfälle geben:

Tod oder schwerer Unfall

  • eines Schülers
  • von Angehörigen (z.B. Eltern, Geschwister)
  • eines Lehrers
  • von Schulpersonal

Der Leitfaden informiert die Kollegen darüber, welche rechtlichen Vorgaben im Falle eines schweren Unglücks oder eines Todesfalles zu beachten und zu erfüllen sind. Gleichzeitig soll er Hinweise und Anregungen geben, wie wir als Pädagogen den Schülerinnen und Schülern helfen können, mit so einem - oft traumatischen – Geschehen umzugehen.

Darüber hinaus stehen dem Kollegium für den Notfall folgende Materialien zur Verfügung:

Ein Ordner mit Textvorlagen für Briefe, Anregungen zur Gestaltung von Stunden nach einem Notfall, eine CD, Beileidskarten u.v.m..

Ein „Notfallkoffer“ mit Utensilien wie Kerzen, einer Decke, einer Vase u.v.m..

Die Mitglieder des Notfallteams haben die Bereitschaft erklärt, die Kollegen im Falle eines solchen Notfalls aktiv zu unterstützen.

 

5) Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen / Netzwerkarbeit

Die Beratungslehrer verstehen sich auch als „Nahtstelle“ zwischen Schule und außerschulischen Institutionen. Sie streben an, Ratsuchende an die richtigen Stellen weiter zu vermitteln und mit diesen intensiv zusammen zu arbeiten. Der Kontakt zu diesen Institutionen soll durch gemeinsame Projekte und Gespräche weiter gepflegt und ausgebaut werden.

 

6) Schulforum – Themenabende an der JRL

Im März 2004 wurde durch das Beratungsteam unter dem Namen „Elternforum“ eine Veranstaltungsreihe mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus zu intensivieren.

Pro Halbjahr fanden 4 bis 6 Veranstaltungen, z.T. in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen, wie z.B. Kliniken, Ärzten, Jugendamt, Polizei und Beratungsstellen stat, bei denen externe Referenten oder auch Mietglieder das Lehrerkollegiums über ein Thema informierten. Dem Vortrag folgte in der Regel eine Diskussionsrunde mit allen Anwesenden.

Themen dieser Veranstaltungen waren z.B. Erziehung, Pubertät, Gewalt, AD(H)S, LRS, Lernen lernen und Ess-Störungen.

Später wurde das „Elternforum“ in „Schulforum“ umbenannt, um zu signalisieren, dass in dieser Veranstaltungsreihe Themen besprochen wurden, die alle an der Erziehung Beteiligten angeht.

Nach anfänglich hohen Besucherzahlen von z.T. über 50 Teilnehmern wurden die Veranstaltungen immer weniger requentiert, so dass sich das Beratungsteam dazu entschlossen hat, das Konzept zu verändern.

In Zukunft sollen auf Anfrage und zu aktuellen Anlässen an der JRL Themenabende stattfinden, zu denen je nach Thema und Betroffenheit zielgerichtet neben allen Interessierten die Elternschaft einer Klassenstufe oder auch klassenstufenübergreifend eingeladen werden soll.

 

7) Schullaufbahnberatung und Lebensberatung

Die Aufgaben der Schullaufbahnberatung umfassen zunächst Beratung und Information vor allem im Zusammenhang mit dem Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II (gymnasiale Oberstufe, Bildungsgänge des Berufskollegs).

Neben der individuellen Schullaufbahnberatung durch Lehrer, Beratungslehrer und die Schulleitung werden im Rahmen der Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit regelmäßige Beratungstermine für einzelne Schülerinnen und Schüler sowie Informationsveranstaltungen für Klassen durchgeführt.

Die Schullaufbahnberatung beinhaltet weiterhin:

  • die Durchführung einer Informationsveranstaltung zur Sekundarstufe II mit Vertretern weiterführender Schulen
  • das Beratungsgespräch beim Übergang von der Grundschule in die Realschule durch die Schulleitung
  • Das Beratungsgespräch beim Schulwechsel durch die Schulleitung
  • Informationen und Bereitstellung von Entscheidungshilfen zur Wahlpflichtdifferenzierung (WP 1) für die Fächer Sozialwissenschaften, Biologie, Französisch und Technik

 

In Verbindung mit Angeboten zur Berufswahlorientierung (s. Pkt. 2.9) sollen die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, eine eigene Schullaufbahn und Berufsplanung zu entwickeln. Beides wirkt sich entscheiden auf die Lebensgestaltung aus. Von daher geht es hier immer auch um die Befähigung zur Lebensplanung.

 

8) Berufswahlorientierung

    • siehe dort

 

9) Gleichstellungsarbeit – Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen

Als Konsequenz aus dem Landesgleichstellungsgesetz wurde in den meisten Schulen eine Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen gewählt. Die Gleichstellungsarbeit versteht sich nicht als Frauen- oder Mädchenförderung, sondern soll im Sinne von Gender Mainstreaming den Bedürfnissen von Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen gerecht werden, das bedeutet, dass Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern berücksichtigt und daraus resultierende Unterschiede ausgeglichen werden. Dazu gehört es auch, bestehende Benachteiligungen durch Förderung abzubauen.

Das Prinzip des Gender Mainstreaming ist an der JRL bereits in verschiedenen Bereichen umgesetzt worden, wie z.B. bei der Entlastung von Teilzeitkräften, der Aufhebung der Koedukation im Fach Sport ab Klasse 7, geschlechtsspezifische Veranstaltungen im Biologie-Projekt „Sexualität“ in Klasse 8 und der Einrichtung verschiedener Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Mädchen bzw. von Jungen ausgerichtet sind.

 

Die Beratung durch die Ansprechpartnerin kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden:

Beratung von Schülerinnen und Schülern

  • wenn sie sich auf Grund ihres Geschlechtes ungleich behandelt fühlen
  • wenn sie sexuell belästigt werden
  • bei der Planung ihrer Schulkarriere und Ausbildung

 

Beratung von Kolleginnen und Kollegen

  • wenn sie sich im Sinne der Frauenförderung auf Beförderungsstellen bewerben wollen ( Kolleginnen)
  • wenn sie sich als Teilzeitkräfte benachteiligt fühlen
  • bei Fragen zur Koedukation
  • wenn auf Grund ihres Geschlechtes Konflikte mit der Schulleitung auftreten

 

Beratung schulischer Gremien

  • wenn Fragen von allgemeiner Bedeutung für Unterricht und Schulleben beraten werden, in denen die Gleichstellung von Frauen und Männern berührt ist bzw. sein kann
  • bei der Schulprogrammentwicklung
  • als stimmberechtigtes Mitglied der Auswahlkommission für das schulscharfe Verfahren

 

Beratung der Schulleitung

  • bei der Umsetzung des Frauenförderplans
  • bei Klassenbildung, Unterrichtsverteilung, Aufstellung des Stundenplans
  • bei Besetzung von Gremien und Funktionen
  • beim Einsatz teilzeitbeschäftigter oder allein erziehender Kolleginnen und Kollegen
  • zu Fortbildungsveranstaltungen

 

Neben der Beratungstätigkeit umfasst die Arbeit der Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen die Initiierung bzw. Organisation von Veranstaltungen im Sinne von Mädchen- und Jungenförderung.

Perspektiven

Aufbau einer Nachmittagsgruppe speziell für Kinder aus Scheidungsfamilien. Diese Gruppe soll vom Schulsozialarbeiter und einer weiteren weiblichen Lehrkraft betreut werden und den Kindern ein Forum bieten, in dem sie über ihre speziellen Probleme reden können.

  • Ausbildung einer Kollegin zur systemischen Familientherapeutin und Supervisorin mit dem Ziel, Familien mit verhaltensauffälligen Kindern zu unterstützen.

 

   
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